Memory Tapes – Player Piano / Washed Out – Within And Without

Sep
09

Letztes Jahr musste mal wieder mal ein neues Mini-Musikgenre erfunden werden, diesmal mit dem schönen Namen Chillwave. Diesem zugeordnet werden unter anderem die beiden hier vorgestellten “Bands”.

Mit dahin plätschernden, kühlen Wellen hat die Musik zwar teilweise schon zu tun, birgt aber mit den sanften Synthesizer-Klängen auch leichte Anleihen an den 4AD typischen Dream-Pop Sound aus den 1980er Jahren des vergangenen Jahrtausends. Allerdings ist er weniger psychedelisch und hat das Instrumentale stärker im Fokus. Damit bewegt sich diese Art von Musik näher an Ulrich Schnauss als an der unsäglichen Easy Listening Welle der frühen 90er Jahre und geht somit natürlich voll in Ordnung.

Passend zum Klischee sind sowohl Memory Tapes als auch Washed Out Einzelmusiker mit leichter Nerd-Tendenz. Beide legen auch Wert auf eine “chillige”, zur Musik passende Visualisierung des Klangs. Typisch dafür sind zum Beispiel das Cover von “Player Piano” sowie das Video zu “Eyes Be Closed” von Washed Out.

Dayve Hawke, der Mann, der hinter Memory Tapes steht, klingt etwas dance- und poporientierter und nicht ganz so verspielt. Der frühere Frontmann der Band HAiL SOCiAL aus Philadelphia hat 2009 sein erstes Album “Seek Magic” veröffentlicht. Vorher hatte er einige Sachen unter dem Namen Weird Tapes und dem weiblichen Alter Ego Memory Cassette herausgebracht, bevor er beide Namen dann zu Memory Tapes verschmolzen hat.

Ernest Greene alias Washed Out klingt da etwas wehmütiger in seinen Songs und erinnert teilweise in der Tat an Dead Can Dance. Seine ersten beiden EPs wurden im Herbst 2009 veröffentlicht. Nach einigen Auftritten im Santos Party House in NYC und auf dem Pitchfork Music Festival 2010 ist dann das frühere Grunge-Rock Label Sup Pop auf ihn aufmerksam geworden, bei dem dann auch “Within And Without” released wurde.

Die Musik der beiden hinterlässt einen entspannten und angenehmen Eindruck. Es fällt schwer, sich an einzelne Titel zu erinnern und zum Mitwippen oder gar Mitsingen ist diese Musik natürlich gänzlich ungeeignet. Die Songstrukturen sind dennoch pop-orientiert und fallen außerhalb der Kategorien Fahrstuhlhintergrund- oder esoterische Entspannungsmusik. Der leicht-verträumte Trance-Zustand nach oder während dem Anhören hat schon eine gewisse wohltuende Wirkung und ergänzt wunderbar das kerzenumrahmte, stimmungsvolle Lavendelduftbad mit Blick auf das vom Mond beschienene Meer.

Chillwave wird sicher nur ein temporäres Phänomen bleiben, ist aber als Abwechslung (oder Entspannung) zwischendurch sehr interessant und immer noch tausendmal besser als jede “Café Del Mar” Kompilation.

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Memory Tapes Hörprobe (erfordert Flash Player):

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