“Eine der besten Live-Reggae-Bands auf dem Planeten”, schrieb Clash Music (UK) über die acht Neuseeländer von The Black Seeds. Dass die Jungs jedoch nicht nur auf der Bühne, sondern durchaus auch im Studio ihr Handwerk beherrschen, haben sie mit ihren 5 bisherigen Scheiben bereits bewiesen. Ob auch “Dust & Dirt”, das erste Album seit vier Jahren, einen derartigen Akzent wie seine Vorgänger setzten kann, bleibt abzuwarten. Unter den Fans war die Spannung jedenfalls riesengroß, nachdem die Platte als die innovativste, die die Band jemals gemacht habe, angekündigt wurde.
Und um eines gleich vorwegzunehmen, The Black Seeds haben sich mit diesem Tonträger definitiv nicht neu erfunden. Zwar werden ausgehend von der Reggae- und Dubbasis immer wieder Ausflüge in Richtung Rock, Funk und Pop unternommen, allerdings nichts, was man von den Kiwis noch nicht gehört hätte. Trotz alledem muss und mag man gerne feststellen, dass man es hier mit tollen Instrumentalisten zu tun hat, die wissen wie man Reggae spielt und dies auch zeigen möchten. Und so finden sich auch auf dieser Platte, wie schon auf den Vorgängern, einige gesanglose Dubsongs, die, genauso wie die anderen Titel, mit wunderschönen Instrumentals ausgestattet sind. Der Sound der Band ist, wie gehabt, eher düster, hallig und von “dicken” Basslines geprägt. Doch auch Hammond-Orgel und Bläser finden ihren Platz und sorgen immer wieder für zuckersüße Momente.
Dass der Gesang von Barnaby Weir nicht jedermanns Sache ist, dürfte ebenfalls nichts Neues sein, dafür klingt er meiner Meinung nach einfach ein wenig zu “weiß” und zu clean und erinnert mich dabei fast ein bisschen an den jungen Boy George. Eine kleine Überraschung, allerdings leider der negativen Art, sind für mich die Songs an sich. Denn die meisten davon wollen einfach nicht so recht ins Ohr gehen. Zwar sind sie alle sehr schön melancholisch und melodiös, aber im Endeffekt doch irgendwie beliebig. So sind Tunes wie der Titeltrack “Dust & Dirt” und “Rusted Story”, die durch eingängiges Songwriting bestechen, leider doch eher die Ausnahme. Eine Sache, die auf den beiden Vorgängern “Into The Dojo” und “Solid Ground” noch ganz anders war.
Abschließend bleibt zu sagen, dass “Dust & Dirt”, in Anbetracht der langen Wartezeit und der großspurigen Ankündigung, letztendlich doch eher eine kleine Enttäuschung ist. Zwar bestechen die Songs durch richtig “fetten” Reggaesound und tolle Instrumentalnummern, die die Scheibe für jeden Reggae- und Dubfan zu einem Muss werden lassen. Was den 13, ohne Zweifel sehr schönen und nachdenklichen Songs jedoch fehlt, sind Refrains, die im Ohr bleiben. So wird “Dust & Dirt” in der Reggaegemeinde zwar mit Sicherheit viel Anklang finden, vom Durchschnittshörer wahrscheinlich aber größtenteils verschmäht werden.
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