Alternative Dark-Rock — 17 Juni 2012

Mark Lanegan, bekanntlich ehemaliger Sänger der Screaming Trees und der Queens Of The Stone Age, ist seit Beginn der 90er Jahre auch als Solokünstler unterwegs. Nun ist sein mittlerweile siebtes Album “Blues Funeral” erschienen. Nachdem seine ersten Alben auf Sub Pop veröffentlicht wurden, ist Mark Lanegan nun zu 4AD gewechselt.

Seine bisherigen Longplayer zeugten von einer gewissen Konsistenz im Sound und im Wesentlichen von einer Kombination aus ruhigen, melancholischen Tönen mit Nähe zum Blues und Lanegan’s markanter Bassstimme. Unaufgeregte Musik also, die man zwar an manchen Tagen gern hört, an die man sich aber kaum erinnert – mit Ausnahme vielleicht der Single “Hit The City” aus dem Album “Bubblegum”, die er gemeinsam mit PJ Harvey gesungen hat.

Dies könnte sich nun mit der neuen Scheibe ändern. An der gewissen Düsterness hat sich zwar nicht viel geändert, trotzdem wirkt die Musik zugänglicher. Lanegan variiert seinen Gesang häufiger und es sind auch mal beschwingtere Töne zu hören, so z.B. auf “Gray Goes Black” oder dem absoluten Highlight “Ode To Sad Disco”.  Die in letzterem erstmals so deutlich zu hörenden Synthi-Klänge verhelfen der Melancholie der Platte zu einem neuen Niveau, was sich auch in den Titeln “Tiny Grain Of Truth” und “Harborview Hospital” ausdrückt.

Mit diesen neuen Soundelementen hört sich das Album wesentlich leichter an als die vorherigen und passt nun auch zu Sommertagen, zum Anhören im Freien oder gar im Auto. Damit wird sich Lanegan nun vielleicht ein größeres Publikum erspielen, die musikalische Reichweite bisher war ja eher begrenzt.

Ebenso melancholisch, aber im Klang gar nicht so weit von Lanegan’s Musik entfernt kommt das neue Soulsavers Album “The Light The Dead See” daher. Auf den letzten beiden Platten des britischen Produzenten-Duos (“Broken” aus dem Jahr 2009 und “It’s Not How Far You Fall, It’s the Way You Land” von 2007) hat ja im Wesentlichen Mark Lanegan die Vocals beigesteuert, daher ist der im Tenor ähnliche Klang nicht überraschend. Als die Soulsavers nach dem letzten Album gemeinsam mit Mark Lanegan als Vorband von Depeche Mode tourte, vermutlich eingefädelt durch das gemeinsame Label Mute, hat sich daraus eine Zusammenarbeit mit Depeche Mode Sänger Dave Gahan ergeben. Das Ergebnis ist nun auf “The Light The Dead See” zu hören.

Gahan ist bereits seit 2003 neben Depeche Mode auch als Solokünstler unterwegs. Sein erster Longplayer “Paper Monsters”, veröffentlicht 2003, bietet entspannte Popmusik mit auch einigen ruhigeren, leicht mystisch angehauchten Songs. Der Nachfolger “Hourglass” von 2007 ließ zwar teilweise auch wieder etwas elektronischere Töne hören, zeigte aber auch hymnische Klänge sowie außerdem nachdenkliche Texte, die Gahan’s starke Sehnsucht nach Sinnhaftigkeit, Deutung und letztlich wohl auch einer Art Erlösung zeigen. Diese Sehnsucht kommt nicht von ungefähr, vermutlich haben die zahlreichen Nah-Tod-Erfahrungen aus der Zeit seines recht heftigen Drogenkonsums dazu beigetragen.

Dies zeigt sich auch auf diesem Soulsavers Album wieder. Gahan’s gesangliche Präsenz ist enorm beeindruckend und die Lieder scheinen ihm perfekt auf die Seele geschneidert. In diesem Sinne ist “The Light The Dead See” nicht nur die bis dato beste Soulsavers Schreibe, sondern auch das mit Abstand beste Dave Gahan Album. Titel wie “In The Morning” oder “Longest Day” sind geeignet, auch den weniger spirituellen Hörer an der Seele zu packen. Da muss (und darf) man fast ein bisschen vor Rührung weinen.

Die Kombination aus Gahan’s teils suchendem, fragendem und teils verzweifeltem, inbrünstigem Gesang und des melancholie-perfektionierten Songwritings macht “The Light The Dead See” zu einem Höhepunkt des bisherigen Musikjahres 2012. Wer sich darauf einlässt, den lässt die Platte so schnell nicht wieder los. Man beginnt zu ahnen, dass es wohl hauptsächlich Dave Gahan und seine Art, in bestimmten Momenten zu singen, war, was die Massen in den 80er und 90er Jahren in Scharen in den Depeche Mode Bann gezogen hat.

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Mark Lanegan Band - Blues Funeral / Soulsavers - The Light The Dead See, 4.5 out of 5 based on 8 ratings

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Autor

Stephan Hesslich

Musikalischer Schwerpunkt: Pop, Female-Pop, Dance, Electro-Pop, Hip-Hop Gründer von MusikBlog, Redaktionsmitglied Anderes: Outdoor-Sport, Filme, Kunst, Business

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